Frage aus dem Inner Circle
Wenn einer schneller ist als der andere
Eine Frage aus unserer Community. Und unsere Antwort darauf.
Eure Frage
„Wir sind Eltern von drei kleinen Kindern und unser Alltag ist voll, lebendig und ständig in Bewegung. Dabei haben wir sehr unterschiedliche Tempi. Ich bin meist diejenige, die vorangeht, plant und schnelle Entscheidungen trifft. Mein Partner ist ruhiger, braucht mehr Zeit und geht die Dinge bedachter an.
Je mehr ich antreibe, desto mehr zieht er sich zurück, und je mehr er abbremst, desto stärker habe ich das Gefühl, alles selber in die Hand nehmen zu müssen. So geraten wir immer wieder in eine Dynamik, in der ich mich wie die Verantwortliche fühle und er sich eher wie derjenige, der hinterherläuft.
Für ihn fühlt es sich an, als wäre es nie genug und als würde ich ihn ständig antreiben. Für mich entsteht das Gefühl, mit allem allein zu sein. Wir wollen raus aus dem Muster, finden aber nicht den Punkt, an dem wir es gemeinsam verändern können.“
Im Video sprechen wir über den Satz, der diese Dynamik kippt: Ich bin keine Spielfigur auf deinem Spielfeld.
Juliane & Marcus antworten. Spieldauer ca. 13 Minuten.
Was du jetzt tun kannst
Unsere Rückmeldung
Wir kennen das von beiden Seiten. Du weißt, was du willst, du weißt auch, wie schnell es zu machen wäre. Und dann steht da jemand, dem du es erst erklären müsstest, der eventuell noch diskutiert. Eine Bremse. Das entspannt nicht, das macht in dir alles enger.
Die andere Seite kennen wir genauso. Da kommt etwas rein, dann noch etwas, dann noch etwas. Und irgendwann denkst du: eigentlich ist alles in Ordnung. Was will dieses ganze Gekräusel von mir? Wenn ich auf jeden Windhauch reagiere, werde ich nie fertig.
Beides sind Qualitäten. Ohne die Bewegung bliebe alles immer gleich. Ohne die Ruhe kämt ihr nie an. Es geht nicht darum, eine davon wegzumachen.
- Halt an, bevor das nächste Projekt startet. Räumt ihr um, weil es dann gut ist? Oder geht es danach einfach weiter?
- Schau, was unter der Bewegung liegt. Oft ist es eine Unruhe, eine Unsicherheit oder eine Unzufriedenheit. Ständig in Bewegung sein ist die moderne Form davon.
- Sag ihm genau das, und sonst nichts. „Ich spüre eine Unruhe in mir.“ Das reicht schon. Bitte ihn um Hilfe beim Gefühl, nicht um die Umsetzung.
- Frag dich, wie sehr er in deinen Plänen überhaupt gefragt ist. Wer sich als Spielfigur erlebt, die man hinsetzt, wo man sie braucht, steigt irgendwann aus. Er sagt dann „mach ich“ und macht es fünf Tage später immer noch nicht.
- Achte seine Qualität, statt sie zu bekämpfen. Was könntest du dir von seiner Ruhe holen? Du willst dich fallen lassen können. Das geht nicht, während du ihn schneller machst.
- Erlaub dir selbst, was du bei ihm kritisierst. Den Tee in Ruhe austrinken, obwohl noch alles offen ist. Er erlaubt es sich.
Wenn er merkt, dass er wirklich gefragt ist, mit seinen Fähigkeiten und seinen Eigenschaften, dann ist er dabei. Auf seine Art und in seinem Tempo, aber er trägt etwas bei. Findet das nicht statt, geht es auseinander.
Der Satz „Ich habe zu viel Mental Load, weil er es nicht macht, obwohl ich es ihm fünfmal gesagt habe“ ist die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte steht oben.
Wir hängen zu sehr darin, den anderen dazu zu bringen, es anders zu machen, damit wir uns besser fühlen. Das wird nicht passieren.
Du bist mit deinen Fragen nicht allein!
Genau solche Situationen besprechen und bewegen wir täglich mit unseren Mitglieder im Inner Circle.
Wir sind täglich und persönlich für dich da. Darüber hinaus gibt es mehrere Calls im Monat, eine wachsende Bibliothek kurzer Video-Inputs, alle Aufzeichnungen zum Nachschauen und eine tolle Community!